LEBENSVERSICHERUNGEN

Kostenbegrenzung für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge

Das Institut für Transparenz (ITA) hat für das Bundesministerium der Finanzen das Forschungsgutachten „Kostenbegrenzung für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge“ angefertigt, das jetzt veröffentlicht wurde. Darin schlägt das ITA eine Verstärkung der Transparenzvorgaben vor. Für den Fall, dass diese nicht wirken, hat es zwei Alternativen für effiziente Kostenbegrenzungen entwickelt: Entweder müsste der Gesetzgeber Obergrenzen für sämtliche Einzelkosten festlegen oder die Effektivkosten kombiniert mit bestimmten Einzelkosten begrenzen. Direkte Kosten auf Zulagen sollten ganz untersagt werden.

Bisher ist es für Verbraucher schwierig, Altersvorsorgeprodukte anhand der Kosten zu vergleichen. Einigen Anbietern gelingt es bis heute, teure Produkte zu verkaufen – zum Nachteil der Verbraucher. Daher sind weitere Maßnahmen erforderlich, um ein Marktgleichgewicht herzustellen. Dabei sollte in zwei Etappen vorgegangen werden: 1. Herstellung von Transparenz und 2. Begrenzung der Kosten.

Verbraucher sollten Altersvorsorgeprodukte und deren Kosten einfach vergleichen können.

Als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet Ortmann das Produktinformationsblatt für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte. Standardisiert und einfach strukturiert wird es den Verbraucher künftig knapp und übersichtlich informieren. Im Entwurf einer Altersvorsorge-Produktinformationsblätter-Verordnung werden die Einzelheiten dazu festgelegt. Es sollten aber wichtige Punkte ergänzt werden: Banken und Bausparkassen sollten realistische Zinsmargen ausweisen, die auch in der Gesamtkostenquote berücksichtigt werden sollten. „Es macht keinen Unterschied, ob bei einem Fondssparplan zum Beispiel ein Prozent Gebühren auf das Guthaben erhoben werden oder ob eine Bank dem Kunden ein Prozent weniger Zinsen gutschreibt“, bringt es Ortmann auf den Punkt. Außerdem sollten Lebensversicherer ihre kollektiven Kapitalanlagekosten ausweisen. Der Katalog zulässiger Kostenarten in § 2a des Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetzes sollte sehr eng ausgelegt werden. Basis-Renten dürften schließlich nur zertifiziert werden, wenn eine jederzeitige Übertragung des Guthabens auf einen anderen Basis-Rentenvertrag vorgesehen ist.

Würden diese ergänzenden Transparenzvorgaben berücksichtigt, sollten Verbraucher in der Lage sein, die Produktkosten zu vergleichen. Sollten die Kosten dennoch nicht sinken, erscheint eine Begrenzung angemessen. Das ITA schlägt in seinem Gutachten zum einen eine Begrenzung der einzelnen Kosten vor. Um die Produktvielfalt nicht einzuschränken, das war eine Vorgabe der Ausschreibung, sollten die Kostenarten unterschiedlich beschränkt werden. Je nach Produktart sollten sie nach Ansparphase auf der einen Seite und Auszahlungs- beziehungsweise Darlehensphase auf der anderen Seite unterteilt werden. Zum Beispiel sollten für alle Produkte höchstens 15 Euro laufende Stückkosten und 2 Prozent Kosten auf das Guthaben beziehungsweise die Zinsmarge zulässig sein.

Zulagen sind quasi Geschenke des Staates zur Verbesserung der Altersvorsorge. Darauf sollten Anbieter keine direkten Kosten erheben.

Alternativ schlägt das ITA vor, die Gesamtkostenkennzahl „Effektivkosten“ zu beschränken. Je konservativer ein Produkt ist, desto niedriger sind die Kosten und umgekehrt. Daher sollten die Obergrenzen der Effektivkosten in der Ansparphase nach Chancen-Risiko-Klassen gestaffelt sein. Das ITA schlägt vor, die Effektivkosten zwischen 1,2 und 3,0 Prozent jährlich je nach Chancen-Risiko-Klasse und Laufzeit zu begrenzen. Zusätzlich sollten einzelne Kostenarten separat begrenzt werden, um Verbraucher vor Nachteilen bei Kündigung zu schützen. Im Zusammenhang mit der Begrenzung der Effektivkosten könnten die Obergrenzen der Einzelkosten pauschal über alle Produktarten hinweg festgesetzt werden. Abschluss- und Vertriebskosten sollten auf 4 Prozent der vereinbarten Beitragssumme (ohne Zulagen), laufende Kosten auf die Eigenbeiträge auf 6,5 Prozent und Stückkosten auf 15 Euro jährlich begrenzt werden.

Bitte beachten Sie, dass wir das Dokument "Forschungsbericht" am 08.08.2014 aktualisiert haben. Wir haben Folgendes überarbeitet: Tabellen 39 und 40 auf Seite 180, Tabellen 41 und 42 auf Seite 181 sowie Tabelle 72 auf Seite 215. Es handelt sich dabei um kleine Änderungen, die keine Auswirkungen auf die weiteren Ergebnisse und Empfehlungen des Forschungsberichts haben.

Kostenbegrenzung für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge
Dr. Mark Ortmann, Simone Tutone unter Mitarbeit von Thorsten Saal
Juli 2014
258 Seiten
kostenfrei